Kabel Deutschland und ich

Eine Nachbarin hat mir neulich erzählt, dass sie jetzt einen neuen Internetzugang mit 32.000 Kbit/s bei Kabel Deutschland hat. Der Anschluss wäre innerhalb weniger Tage nach Vertragsabschluss geschaltet worden.

Super, denke ich mir, endlich die Gelegenheit mein DSL 500 zu beschleunigen und träume schon davon, endlich vernünftige Übertragungsraten genießen zu können. Eine andere Alternative existiert in meiner Wohngegend leider nicht.

Soweit der Vorspann.

Ausgangssituation

In meinen Haus liegt kein Kabelanschluss, die Vorbesitzer haben das “damals” nicht machen lassen. Das direkt angebaute Nachbarhaus hat einen ungenutzen Kabelanschluss, der Übergabepunkt liegt in einem Raum, der direkt an mein Haus angrenzt.

Meine naive Idee also: Man baut einfach eine Abzweigung vor dem Übergabepunkt des Nachbarn ein, bohrt ein Loch durch die Wand in meinen Keller und schon liegt auch in meinem Haus ein Anschluss und die aufwändigen Erdarbeiten und das Aufreißen von Straße und Gehweg sind nicht notwendig.

Recherchen im Internet und auch ein Anruf bei Kabel Deutschland bestätigen, dass das so wohl möglich ist.

Es geht los

Es ist Donnerstag, ich gehe nach Feierabend in die Fußgängerzone der Nachbarstadt und suche dort den Kabel-Shop auf. Als ich ihn endlich gefunden habe, ist alles dunkel und an der Tür hängt ein Zettel: “Am heutigen Donnerstag haben wir nachmittags geschlossen.”
Na klasse, fängt ja schon gut an.

Mein nächster Besuch dann am Montag, 16.01. Der nette Herr im Laden lässt sich meinen Wunsch erklären und sagt dann, prinzipiell sei das kein Problem, allerdings gäbe es ausführende Firmen, die den Anschuss so nicht machen würden. Wenn das passieren würde, soll ich einfach wieder zu ihm kommen, den Namen der Firma nennen und er würde dann eine andere Firma beauftragen.
Ok, probieren wir es, ich fülle die notwendigen Formulare aus und schließe meinen Vertrag ab.

Pünktlich am nächsten Tag meldet sich auch eine Firma und vereinbart für Freitag einen Termin zur Abstimmung der Arbeiten.
Zwei Tage später kommen auch die Unterlagen mit der Post.

Ernüchterung

Am Freitag morgen kommt dann auch ein Techniker (mit 45 min. Verspätung, ich muss ja nicht auch mal irgendwann ins Büro, aber egal), der Herr klingelt bei der Nachbarin.
Ich hab ihn schon gesehen, gehe rüber und schildere die Situation.

Nö, das dürfe er so nicht machen, Kabel Deutschland hätte da eindeutige Richtlinien, dass das nicht zulässig sei. Er ruft auch extra eine Hotline an und lässt sich das dort bestätigen. Meine einzige Möglichkeit, sei ein Bauauftrag, mit Graben ziehen von der Straße bis zu meinem Haus.
Er würde den Auftrag dann stornieren lassen und ich müsste halt den Bauantrag stellen.

Pluff, das wars dann mit dem schnellen Internetzugang…

Später rufe ich dann bei Kabel Deutschland an, wo mir die nette Dame, auch nach Rücksprache mit einem Vorgesetzten, bestätigt, dass mein Plan doch durchführbar sei und sie von einer solchen Richtlinie nichts wüsste. Aber Weiteres müsste ich mit dem Kabel-Shop klären, da ich ja meinen Vertrag dort abgeschlossen habe.

Also, nachmittags wieder in den Shop. Jaaa, das sei schon korrekt, was der Techniker sage, er dürfe das nicht. Und der Shop könne auch niemanden selbst beauftragen, das läuft alles über die Zentrale. Wenn ich eine Firma finden würde, die den Anschluss so machen würde, hätte ich halt Glück.
Auf meine Frage, wieso die ausführenden Firmen andere Aussagen treffen, als die beauftragende, bekomme ich keine richtige Antwort. Die am Telefon von Kabel Deutschland hätten eh keine Ahnung und wollten halt nur Verträge abschließen.
Er könne mir nur anbieten nochmal einen Vertrag zu machen und dann auf eine andere Firma zu hoffen.
Nein danke, Lotterie spielen kann ich auch anderswo…

Aber ich hab keine Alternative zu Kabel Deutschland, wenn ich mehr als DSL 500 haben will. :-/

Telefonterror

Es ist Montag und ich rufe bei der Kundenbetreuung von Kabel Deutschland an. Nach ca. 15 Minuten Warteschleife darf ich meine Geschichte zum ersten Mal erzählen. Oh, da könne sie jetzt gar nicht weiterhelfen, “…aber ich verbinde Sie mit einem Kollegen…”.
Diesmal darf ich die nur durch regelmäßige trostspendende “Sie werden mit dem nächsten freien Mitarbeiter verbunden.”-Meldungen unterbrochene Musik 60 Minuten auf dem Headset genießen, zum Glück Headset, sonst wäre mir der Arm wahrscheinlich abgefallen.

Endlich meldet sich wieder jemand, ich erzähle meine Geschichte nochmal. Oh, da könne sie jetzt gar nicht weiterhelfen, “…aber ich verbinde Sie gerne mit einem Kollegen von der Technik…”.

Nach kaum 2 Minuten meldet sich tatsächlich jemand, ich bin fast überfordert mit der Geschwindigkeit. Aber meine Geschichte bekomme ich doch wieder zusammen. Oh, da könne er jetzt gar nich weiterhelfen, er sei ja von der Technik. GENAU ZU SO JEMANDEN SOLLTE ICH AUCH VERBUNDEN WERDEN UND GENAU SO JEMANDEN WILL ICH AUCH SPRECHEN. Durchatmen.

Ok, er müsse sich zuerst erkundigen. “Wie weit sitzt der Übergabepunkt von Ihrem Haus weg?” “Nur eine Garagentorbreite.” Er müsste nochmal Rücksprache halten und würde mich innerhalb der nächsten 15 Minuten zurückrufen. Ich bin sehr gespannt.

Tatsächlich ruft er kurz danach wieder an. Alsooo, die Sache sei natürlich möglich, gar kein Problem. Allerdings müsste ich mich an den Kosten beteiligen, es müsse ja doch ein ca. 3 Meter langer Graben gezogen werden und das wäre ja nicht so ganz umsonst.
Graben? Zwischen zwei Räumen, die direkt, durch eine Wand getrennt, nebeneinander liegen?
Achsoooooo, das sei natürlich was anderes. Er melde sich dann gleich wieder.

Und er ist auch gleich wieder da. Alles geklärt, das geht klar. Allerdings soll ich die notwendigen Arbeiten (Loch durch Wand, Kabel durch Loch vom Nachbarhaus in mein Haus) noch explizit in meinen Auftrag aufnehmen lassen, damit die ausführende Firma das auch sieht.
Das klingt doch schon wieder besser, ich notiere noch seinen Namen und rufe dann wieder beim Kundenservice an.

In welchen Auftrag ich das aufnehmen lassen möchte, die Dame sähe unter meiner Kundennummer keinen Auftrag. ??????? Auch unter der Adresse des Nachbarhauses kein Auftrag.
Sie meint, vielleicht ist der Auftrag ja inzwischen storniert worden aufgrund der Rückmeldung des Technikers vom Freitag.
Ich müsse dann einen neuen Auftrag erstellen. Ok, machen wir doch dann sofort hier am Telefon.

Das Mittagessen hab ich mir jetzt aber verdient…

Beim Essen fällt mir dann ein, dass ich beim neuen Auftrag vergessen habe, die gewünschte  Rufnummernübernahme mitzuteilen. Muss ich also doch nochmal anrufen…

Warteschleife, kenn ich schon, die Musik ist auch nachmittags die gleiche :-/

Die Dame findet diesmal auch sofort einen Auftrag, nämlich den alten vom 16.01., den neuen vom Vormittag sieht sie nicht. Es dauerte halt immer ein bisschen, bis Neuaufträge durchs System und sichtbar sind, ich solle einfach morgen nochmal anrufen, dann wäre er mit Sicherheit da.

Dienstag, 24.01.

Wieder Warteschleife, was sonst.

Diesmal ist ein Herr am Telefon, der aber auch nur den Auftrag vom 16.01. sieht. Der sei aber storniert, der entsprechende Brief sei gestern rausgegangen. Einen neuen Auftrag vom Vortag gibt es nicht.

Dann müssen wir wohl einen neuen Auftrag anlegen und der Herr versichert mir dann auch, dass ich wirklich nur einen einzigen Auftrag laufen und nicht plötzlich 3 Bagger vor der Haustür stehen habe.

Beim Erstellen des Auftrags denke ich dann auch an die Rufnummernübernahme und auch an das Loch in der Wand zum Nachbarn, durch das das Kabel kommen soll.

Ein Freund meint abends, ich solle doch nochmal anrufen und angeben, dass er mich geworben habe, dann gäbs noch eine Gutschrift. Aus Angst davor, einen vierten Auftrag anzulegen, lasse ich den Gedanken aber gleich wieder fallen…

Sonntag, 29.01.

Inzwischen ist Sonntag, und ich habe nichts mehr von Kabel Deutschland gehört, keine neuen Unterlagen, kein Anruf einer Technikerfirma nichts. Außer der schriftlichen Bestätigung, dass mein Auftrag vom 16.01. kulanterweise storniert wäre. Auch das Nachbarhaus hat eine Bestätigung erhalten, dass ihr Kabelanschluss, der übrigens nie in Betrieb war, storniert worden sei.

Ob ich morgen nochmal nachfrage, ob aus den 3 Aufträgen vielleicht wieder kein einziger geworden ist?
Ich kann mich kaum noch an die Warteschleifenmusik erinnern…

3 Kommentare bei „Kabel Deutschland und ich“

  1. Und wie gings weiter? Stehe nämlich vor einer ähnlichen Situation…

  2. christian sagt:

    Es ging bzw. geht gar nicht weiter mit Kabel Deutschland. Ich hoffe, dass ich irgendwann mal ne Alternative habe und werde die dann nehmen.

  3. Mh das ist schade. Ich hoffe, dass das ganze bei Unitymedia funktioniert.

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